SVF II.54

Stoiker
Chrysipp von Soloi
Antike Quelle
Aëtius, Placita IV 12,1 (DDG p. 401,14) — Plac. 4.12,1
Quellsprache
Altgriechisch
Quellenstatus
Testimonium · Paraphrase durch antike Quelle

Original — Altgriechisch

Χρύσιππος διαφέρειν ἀλλήλων φησὶ τέτταρα ταῦτα. φαντασία μὲν οὖν ἐστι πάθος ἐν τῇ ψυχῇ γιγνόμενον, ἐνδεικνύμενον ἐν αὑτῷ καὶ τὸ πεποιηκός. — Εἴρηται δὲ ἡ φαντασία ἀπὸ τοῦ φωτός· καθάπερ γὰρ τὸ φῶς αὑτὸ δείκνυσι καὶ τὰ ἄλλα τὰ ἐν αὐτῷ περιεχόμενα, καὶ ἡ φαντασία δείκνυσιν ἑαυτὴν καὶ τὸ πεποιηκὸς αὐτήν. Φανταστὸν δὲ τὸ ποιοῦν τὴν φαντασίαν· οἷον τὸ λευκὸν καὶ τὸ ψυχρὸν καὶ πᾶν ὅ,τι ἂν δύνηται κινεῖν τὴν ψυχήν, τοῦτ᾽ ἔστι φανταστόν. Φανταστικὸν δέ ἐστι διάκενος ἑλκυσμός, πάθος ἐν τῇ ψυχῇ ἀπ᾽ οὐδενὸς φανταστοῦ γινόμενον, καθάπερ ἐπὶ τοῦ σκιαμαχοῦντος καὶ κενοῖς ἐπιφέροντος τὰς χεῖρας· τῇ γὰρ φαντασίᾳ ὑπόκειταί τι φανταστόν, τῷ δὲ φανταστικῷ οὐδέν. Φάντασμα δέ ἐστιν ἐφ᾽ ὃ ἑλκόμεθα κατὰ τὸν φανταστικὸν διάκενον ἑλκυσμόν· ταῦτα δὲ γίνεται ἐπὶ τῶν μελαγχολώντων καὶ μεμηνότων.

StoicOs-Übersetzung

Chrysipp sagt, diese vier unterschieden sich voneinander. Eine Vorstellung (phantasia) ist eine Affektion, die in der Seele entsteht und in sich auch das zeigt, was sie hervorgebracht hat. — Die Vorstellung ist nach dem Licht benannt: Denn wie das Licht sich selbst zeigt und die anderen Dinge, die es umfasst, so zeigt die Vorstellung sich selbst und das, was sie hervorgebracht hat. Das Vorstellbare (phantaston) ist, was die Vorstellung hervorbringt: das Weiße, das Kalte, alles, was die Seele bewegen kann. Leerer Zug (phantastikon) ist eine Affektion in der Seele, die aus keinem Vorstellbaren entsteht, wie bei dem, der Schattenboxen treibt und ins Leere schlägt — denn der Vorstellung liegt etwas Vorstellbares zugrunde, dem leeren Zug nichts. Ein Trugbild (phantasma) ist das, wohin wir in jenem leeren Zug gezogen werden; dies geschieht bei Melancholikern und Wahnsinnigen.

Kontext

Der Doxograph Aëtios bewahrt, unter Chrysipps Namen, das technische Erkenntnisvokabular der Schule — den Ausgangspunkt der ganzen stoischen Erkenntnislehre, die Zenon mit der kataleptischen Vorstellung begründet hatte.

Quellenhinweise:Text verifiziert gegen von Arnim, SVF II (1903), Nr. 54, S. 21–22 (OCR der gescannten Edition; das griechische OCR von Bd. II ist von hoher Qualität). Exzerpiert: die vier Definitionen; die ausgelassenen Passagen geben ein Sinnesbeispiel und Euripides' Orestes als Illustration des Phantasma.

Was die Quelle tatsächlich mitteilt

Ein namentlicher Bericht ('Chrysipp sagt…') in Doxographensprache, mit dem Lichtvergleich und dem Schattenboxer-Beispiel erhalten — Bilder, konkret genug, um seine eigene Art zu vermuten. Die Definitionen selbst sind vierfach und systematisch, sein Markenzeichen.

Philosophische Bedeutung

Erkenntnis beginnt mit einer Unterscheidung. Eine wahre Vorstellung trägt ihre Ursache in sich, wie Licht sich selbst und seine Gegenstände zeigt; Halluzination ist Zug ohne Gegenstand. Auf diesem vierfachen Raster ruhen Zustimmung, Katalepsis und Handlung: Der gesunde Geist ist der, der erkennen kann, welche Art von Erscheinung er empfängt.

Wissenschaftliche Unsicherheit

Der Wortlaut ist die Kompression des Doxographen; welches Buch Chrysipps zusammengefasst wird, ist nicht gesagt. Die Etymologie von phantasia aus phōs ist Schulgut, das ihm vorausgehen kann.

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Über diese Edition

Die StoicOs Ancient Library ist eine wachsende mehrsprachige digitale Studienausgabe des erhaltenen frühstoischen Materials. Die von Hans von Arnim zusammengestellten Stoicorum Veterum Fragmenta bilden den traditionellen Referenzrahmen. StoicOs unterscheidet sorgfältig zwischen Fragmenten, Testimonien, späteren Berichten und Interpretation. StoicOs-Übersetzungen werden, wo verfügbar, aus den erhaltenen antikssprachigen Quellen erarbeitet.

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