SVF I.88

Stoiker
Zenon von Kition
Antike Quelle
Chalcidius, Commentary on Plato's Timaeus, chapter 292 — in Tim. c. 292
Quellsprache
Latein
Quellenstatus
Testimonium · Späterer Bericht

Original — Latein

Deinde Zeno hanc ipsam essentiam finitam esse dicit unamque eam communem omnium quae sunt esse substantiam, dividuam quoque et usque quaque mutabilem: partes quippe eius verti, sed non interire, ita ut de existentibus consumantur in nihilum. Sed ut innumerabilium diversarum, etiam cerearum figurarum, sic neque formam neque figuram nec ullam omnino qualitatem propriam fore censet fundamenti rerum omnium silvae, coniunctam tamen esse semper et inseparabiliter cohaerere alicui qualitati. Cumque tam sine ortu sit quam sine interitu, quia neque de non existente subsistit neque consumetur in nihilum, non deesse ei spiritum ac vigorem ex aeternitate, qui moveat eam rationabiliter totam interdum, nonnumquam pro portione, quae causa sit tam crebrae tamque vehementis universae rei conversionis; spiritum porro motivum illum fore non naturam, sed animam et quidem rationabilem, quae vivificans sensilem mundum exornaverit eum ad hanc, qua nunc inlustratur, venustatem. Quem … beatum animal et deum adpellant.

StoicOs-Übersetzung

Sodann sagt Zenon, dass ebendiese Substanz endlich ist und dass sie die eine gemeinsame Substanz alles Seienden ist, auch teilbar und durch und durch veränderlich: Denn ihre Teile verwandeln sich, gehen aber nicht zugrunde, so dass sie aus dem Seienden ins Nichts verzehrt würden. Aber wie bei den unzähligen verschiedenen Wachsfiguren, so meint er, wird die Grundlage aller Dinge, die Materie, weder Form noch Gestalt noch überhaupt irgendeine eigene Qualität haben — doch sei sie stets mit irgendeiner Qualität verbunden und hänge untrennbar mit ihr zusammen. Und da sie ebenso ohne Entstehung wie ohne Untergang ist — weil sie weder aus dem Nichtseienden hervorgeht noch ins Nichts verzehrt werden wird —, fehlt ihr von Ewigkeit her nicht ein Hauch und eine Kraft, die sie vernünftig bewegt, bald als Ganzes, bald teilweise, was die Ursache der so häufigen und so heftigen Umwälzung des Universums ist; jener bewegende Hauch aber sei nicht bloße Natur, sondern Seele, und zwar vernünftige Seele, die, die sinnliche Welt belebend, sie zu dieser Schönheit geschmückt hat, in der sie jetzt erstrahlt. Und dies nennen sie … ein seliges Lebewesen und Gott.

Kontext

Chalcidius, der spätantike lateinische Kommentator von Platons Timaios, mustert die Materielehren der Philosophen und widmet dieses Kapitel ausdrücklich Zenon, unmittelbar nach dem als SVF I.86 gedruckten Kapitel.

Quellenhinweise:Text verifiziert gegen von Arnim, SVF I (1903), Nr. 88, S. 25 (OCR der gescannten Edition; die Kapitelnummer ist im OCR entstellt — das Fragment folgt auf c. 290, gedruckt als SVF I.86). Ein Wort vor “beatum animal” im Schlusssatz ist im Scan unleserlich und bleibt unhergestellt.

Was die Quelle tatsächlich mitteilt

Eine zusammenhängende lateinische Zusammenfassung, unter Zenons Namen, seiner Substanzlehre: endlich, eins, teilbar, an sich qualitätslos, doch nie nackt, unerzeugt und unvergänglich, und von Ewigkeit her bewegt von einem vernünftigen Hauch, der Seele und Gott ist. Das Wachsbild und der Gottes-Schluss stimmen mit den griechischen Zeugnissen überein (SVF I.85, I.87).

Philosophische Bedeutung

Gegen die unendlichen Welten der Atomisten steht Zenons Universum als ein endlicher Körper: Materie, die nie nackt existiert, stets geformt vom göttlichen Hauch, der sie durchdringt. Nichts vergeht ins Nichts; jeder Untergang ist eine Wendung derselben Substanz. Das Kapitel vollendet die Lehre von SVF I.87, indem es den Beweger benennt: die vernünftige Weltseele, ein seliges Lebewesen, Gott.

Wissenschaftliche Unsicherheit

Chalcidius schreibt etwa sechs Jahrhunderte nach Zenon, auf Latein und mit platonischem Vokabular (silva für Materie); der Gedankengang ist wahrscheinlich treu, der Wortlaut gewiss nicht Zenons. Ein Wort des Schlusssatzes ist im Scan unleserlich und wird eher unhergestellt gelassen als konjiziert.

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Über diese Edition

Die StoicOs Ancient Library ist eine wachsende mehrsprachige digitale Studienausgabe des erhaltenen frühstoischen Materials. Die von Hans von Arnim zusammengestellten Stoicorum Veterum Fragmenta bilden den traditionellen Referenzrahmen. StoicOs unterscheidet sorgfältig zwischen Fragmenten, Testimonien, späteren Berichten und Interpretation. StoicOs-Übersetzungen werden, wo verfügbar, aus den erhaltenen antikssprachigen Quellen erarbeitet.

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