SVF I.102
- Stoiker
- Zenon von Kition
- Antike Quelle
- Stobaeus, Eclogae, Book I (Arius Didymus fr. 38), with Diogenes Laërtius VII 135–136 — Ecl. I 17,3 p. 152,19 W.
- Quellsprache
- Altgriechisch
- Quellenstatus
- Testimonium
Original — Altgriechisch
Ζήνωνα δὲ οὕτως ἀποφαίνεσθαι διαρρήδην· τοιαύτην δὲ δεήσει εἶναι ἐν περιόδῳ τὴν τοῦ ὅλου διακόσμησιν ἐκ τῆς οὐσίας, ὅταν ἐκ πυρὸς τροπὴ εἰς ὕδωρ δι᾽ ἀέρος γένηται, τὸ μέν τι ὑφίστασθαι καὶ γῆν συνίστασθαι, ἐκ τοῦ λοιποῦ δὲ τὸ μὲν διαμένειν ὕδωρ, ἐκ δὲ τοῦ ἀτμιζομένου ἀέρα γίνεσθαι, ἐκ τινὸς δὲ τοῦ ἀέρος πῦρ ἐξάπτεσθαι, τὴν δὲ κρᾶσιν γίνεσθαι τῇ εἰς ἄλληλα τῶν στοιχείων μεταβολῇ, σώματος ὅλου δι᾽ ὅλου τινὸς ἑτέρου διερχομένου. — Diogenes Laërtius VII 135–136: ἕν τε εἶναι θεὸν καὶ νοῦν καὶ εἱμαρμένην καὶ Δία πολλαῖς τε ἑτέραις ὀνομασίαις προσονομάζεσθαι. κατ᾽ ἀρχὰς μὲν οὖν καθ᾽ αὑτὸν ὄντα τρέπειν τὴν πᾶσαν οὐσίαν δι᾽ ἀέρος εἰς ὕδωρ· καὶ ὥσπερ ἐν τῇ γονῇ τὸ σπέρμα περιέχεται, οὕτω καὶ τοῦτον σπερματικὸν λόγον ὄντα τοῦ κόσμου, τοιόνδε ὑπολείπεσθαι ἐν τῷ ὑγρῷ, εὐεργὸν αὑτῷ ποιοῦντα τὴν ὕλην πρὸς τὴν τῶν ἑξῆς γένεσιν· εἶτα ἀπογεννᾶν πρῶτον τὰ τέσσαρα στοιχεῖα, πῦρ, ὕδωρ, ἀέρα, γῆν. λέγει δὲ περὶ αὐτῶν Ζήνων ἐν τῷ Περὶ τοῦ ὅλου.StoicOs-Übersetzung
Zenon erklärt ausdrücklich Folgendes: So wird in jedem Zyklus die Ordnung des Ganzen aus der Substanz sein müssen — wenn aus Feuer eine Wendung zu Wasser durch Luft geschieht, setzt sich ein Teil davon ab und Erde bildet sich; vom Rest bleibt ein Teil Wasser, aus dem Verdunstenden entsteht Luft, und aus einem Teil der Luft entzündet sich Feuer; und die Mischung kommt zustande durch die Verwandlung der Elemente ineinander, wobei ein ganzer Körper durch das Ganze eines anderen hindurchgeht. — Diogenes Laërtius: Gott, Geist, Schicksal und Zeus sind eins, und er wird mit vielen anderen Namen benannt. Am Anfang, für sich seiend, wendet er die gesamte Substanz durch Luft in Wasser; und wie der Same in der Samenflüssigkeit enthalten ist, so bleibt auch er, der Samen-Logos (logos spermatikos) des Kosmos, als solcher im Feuchten zurück und macht sich die Materie dienstbar für die Erzeugung des Folgenden; dann bringt er zuerst die vier Elemente hervor: Feuer, Wasser, Luft, Erde. Zenon spricht darüber in seinem Buch Über das Ganze.
Kontext
Die physikalische Doxographie des Areios Didymos, von Stobaios exzerpiert, leitet die Passage mit ungewöhnlichem Nachdruck ein — “Zenon erklärt ausdrücklich” —, und Diogenes Laërtius beschließt seinen Parallelbericht mit dem Namen des Buches selbst: Zenons Über das Ganze.
Quellenhinweise:Text verifiziert gegen von Arnim, SVF I (1903), Nr. 102, S. 28–29 (OCR der gescannten Edition). Zwei von den Editoren eingeklammerte Wörter ([καί] Heeren, [μῖξιν] von Arnim) sind entsprechend weggelassen; von Arnim vermerkt, dass der Schlusssatz über die Mischung textlich verdächtig ist (“vix sana”). Diogenes zitiert ausdrücklich Zenons Buch Über das Ganze für diese Lehre.
Was die Quelle tatsächlich mitteilt
Zwei unabhängige doxographische Linien konvergieren: das zyklische Elementenschema (Feuer → Wasser über Luft; Erde, Wasser, Luft, Feuer) und der im Feuchten zurückbleibende Samen-Logos. Diogenes' ausdrückliche Buchtitel-Zitierung macht dies zu einer der wenigen zenonischen physikalischen Lehren, die an einem benannten Werk verankert sind.
Philosophische Bedeutung
Dies ist Zenons Bericht, wie eine Welt beginnt: Gott, das gestaltende Feuer, sät sich selbst als Samen-Logos in die Materie — der Kosmos wächst aus seinem eigenen Samen wie ein Lebewesen. Die Schöpfung ist kein einmaliges Ereignis, sondern eine wiederkehrende Phase des großen Zyklus, dessen feuriges Ende SVF I.98 und I.107 beschreiben. Das biologische Bild (Same im Feuchten) zeigt, dass Zenon die Welt als Organismus dachte, nicht als Maschine.
Wissenschaftliche Unsicherheit
Der Wortlaut ist doxographisch, nicht Zenons eigener, und der Schlusssatz über die Mischung ist textlich verdorben (von Arnim: “vix sana”); zwei redaktionelle Tilgungen werden hier befolgt. Das Kernschema ist jedoch doppelt bezeugt und von Diogenes an Zenons Über das Ganze geheftet — wenngleich Diogenes' umgebender Bericht auch aus späteren Stoikern wie Chrysippos schöpft.
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Über diese Edition
Die StoicOs Ancient Library ist eine wachsende mehrsprachige digitale Studienausgabe des erhaltenen frühstoischen Materials. Die von Hans von Arnim zusammengestellten Stoicorum Veterum Fragmenta bilden den traditionellen Referenzrahmen. StoicOs unterscheidet sorgfältig zwischen Fragmenten, Testimonien, späteren Berichten und Interpretation. StoicOs-Übersetzungen werden, wo verfügbar, aus den erhaltenen antikssprachigen Quellen erarbeitet.