SVF I.73
- Stoiker
- Zenon von Kition
- Antike Quelle
- Olympiodorus, Commentary on Plato's Gorgias — in Gorg. pp. 53–54 (Jahn)
- Quellsprache
- Altgriechisch
- Quellenstatus
- Testimonium
Original — Altgriechisch
Ζήνων δέ φησιν ὅτι τέχνη ἐστὶ σύστημα ἐκ καταλήψεων συγγεγυμνασμένων πρός τι τέλος εὔχρηστον τῶν ἐν τῷ βίῳ.StoicOs-Übersetzung
Zenon sagt, eine Kunst (technē) sei ein System von gemeinsam eingeübten Griffen, gerichtet auf ein Ziel, das für die Dinge des Lebens nützlich ist.
Kontext
Olympiodoros, ein Neuplatoniker, der im 6. Jahrhundert n.Chr. Platons Gorgias kommentiert, zitiert Zenons Definition der Technē namentlich. Die Formel hallt durch die Antike — Lukians Tischgast zitiert sie als etwas “von einem Weisen Gehörtes”, Sextus und die Grammatiker wiederholen sie als stoische Standarddefinition einer Kunst.
Quellenhinweise:Griechischer Text verifiziert gegen H. von Arnim, SVF I (1903), Nr. 73, S. 21 (gescannte Seite). Dieselbe Formel ist mehrfach bezeugt: Lukian, De parasito 4 (“von einem Weisen gehört”); Scholien zu Aristophanes, Nub. 317; Sextus Empiricus, M 2.10; Scholien zu Dionysios Thrax; dazu lateinische Parallelen (Quintilian 2.17,41; Cicero ap. Diomedem; Acad. pr. 2.22; fin. 3.18; ND 2.148), von von Arnim klein gedruckt. Diese Zeugen können teils eine Schultradition teilen.
Was die Quelle tatsächlich mitteilt
Eine zugeschriebene Definition, mehrfach bezeugt in nahezu identischem Wortlaut in unterschiedlich motivierten Kontexten — Kommentar, Satire, Skepsis, Grammatik. Die verbale Stabilität der Formel macht sie zu einem der bestgesicherten Stücke von Zenons Terminologie, auch wenn kein Zeuge das Herkunftsbuch nennt. Man beachte den Kontrast zur ähnlichen Definition “Technē ist eine wegbereitende Haltung” (SVF I.72), deren Zuschreibung von Arnim selbst bezweifelt — jener Eintrag ist zurückgehalten.
Philosophische Bedeutung
Eine Kunst ist für Zenon aus demselben Material gebaut wie das Wissen: aus Griffen — verlässlichen Erkenntnissen —, gemeinsam eingeübt, bis sie als ein System wirken, gerichtet auf etwas, das das Leben wirklich braucht. Handwerk, Medizin, Navigation, selbst die Lebenskunst: alles ist organisiertes, geübtes Wissen im Dienst eines nützlichen Ziels.
Wissenschaftliche Unsicherheit
Die Zeugen sind spät (2.–6. Jh. n.Chr.) und können einander oder eine gemeinsame Handbuchtradition echoen statt Zenons Buch direkt; kleine Varianten existieren (“gemeinsam eingeübt” συγγεγυμνασμένων vs. ἐγγεγυμνασμένων in manchen Scholien).
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Über diese Edition
Die StoicOs Ancient Library ist eine wachsende mehrsprachige digitale Studienausgabe des erhaltenen frühstoischen Materials. Die von Hans von Arnim zusammengestellten Stoicorum Veterum Fragmenta bilden den traditionellen Referenzrahmen. StoicOs unterscheidet sorgfältig zwischen Fragmenten, Testimonien, späteren Berichten und Interpretation. StoicOs-Übersetzungen werden, wo verfügbar, aus den erhaltenen antikssprachigen Quellen erarbeitet.